LDR 1753

Ein Giebelhaus aus Amsterdam

LDR 1753: Original
Photos © Rijksmuseum, Amsterdam und Sabine Taterra-Gundacker
LDR 1753: Reproduktion von Sabine Taterra-Gundacker

„Dieses Haus ist erbaut worden von meinem Großvater IDR 1697“ und sinngemäß: „hier zeige ich es.“

 

Diese Erklärung stickte Laurentia de Ronbaij 1753 mit Seide in ihr prächtiges Mustertuch. Zum Andenken an ihren Großvater und stolz auf den Familienbesitz – ein reales Haus, ein detailgetreues Glockengiebelhaus. Ein seltenes Motiv auf niederländischen Merklappen!

 

Dank der Informationen des Rijksmuseum Amsterdam wissen wir mehr über diese Familie. Jacob de Ronbaij (* 1655, † 1749) war Blaufärber/Blaudrucker und baute das Haus 1693/1697 in der Egelantiersgracht 14 in Amsterdam. Sein Sohn Willem (* 1699, † 1758) war Strumpffärber und heiratete Jacomina Selijns (* 1702, † 1783). Sie hatten drei Kinder: Lammertje (* 1738, † 1741), Laurentia (* 1740, † 1819) und Lammertje (* 1743, † 1819). Laurentia wohnte bis zu ihrem Tod in diesem Haus, das sich im Laufe der Jahrzehnte den jeweiligen Bedingungen und Moden anpasste. Giebel, Türen und Fenster veränderten sich.

 

Seit dem 17. Jahrhundert entwickelte sich Amsterdam zu einer Boomtown. Die Einwohnerzahl explodierte, Sumpfgebiete wurden trockengelegt und die Fundamente der Häuser standen auf Millionen von Holzpfählen. Wohlhabende Bürger leisteten sich luxuriöse Giebelhäuser entlang eines raffinierten Systems von größeren und kleineren Wasserstraßen, den Grachten. Die Häuserbreite lag meistens zwischen vier und sechs Metern, bei manchmal einer Tiefe von 25 Metern, denn Steuern wurden erhoben nach der Breite und Anzahl der Fenster. Nur sehr wenige Bauherren konnten sich den absoluten Luxus eines Gartens hinter dem Haus leisten.

 

Dieses städtebauliche Gesamtkunstwerk aus dem 16. bis 18. Jahrhundert mit fast 7000 Kaufmanns- und Lagerhäusern sowie beinahe 1300 Brücken zeugt von dem sog. Goldenen Zeitalter entlang der 165 Grachten und wurde 2010 zum UNESCO-Welterbe erklärt.

 

Nicht nur das reale Giebelhaus als bestimmendes Motiv in diesem Mustertuch hat mich begeistert, sondern auch die beiden Gartenszenen, nämlich die drei Hühner am Zaun neben stattlichen Zypressen und das Paar in Kleidern der damaligen Mode unter einem Rosenbogen: sie in einem engen Mieder und Rock mit einem sog. Cul de Paris (Hintern von Paris, Wattehintern) und er in Herrenrock und Kniehose mit Degen, einen Blumenstrauß überreichend.

 

Über dem Haus hat Laurentia das Stadtwappen von Amsterdam platziert, links die „Holländische Magd“ (Symbol der Freiheit und des Sieges über die spanische Herrschaft im 17. Jahrhundert) und rechts das Josua-und-Kaleb-Motiv (Symbol für Gottvertrauen).

 

Ungewöhnlich viele Vögelchen „flattern“ durch das Mustertuch und füllen Lücken. Symbolisieren sie als geflügelte Wesen die Verbindung zu Gott? Mit prächtigen Vasen und Alltagsgegenständen schmückt sie das Mustertuch aus.

 

Das Original (Inventarnummer: BK-KOG 1264) ist im Besitz des Rijksmuseum Amsterdam. Es hat im Laufe der mehr als 250 Jahre manche Licht- und Feuchtigkeitsschäden erhalten, weshalb die Originalfarben nicht immer eindeutig zu bestimmen waren. Ich habe mich bemüht. Ein Dankeschön geht ans Museum für die Zusendung des Fotos! Bei Rosa Pasquau bedanke ich mich sehr herzlich für das Zusenden der handgezeichneten Stickvorlage von „Eva Rosenstand“ aus dem Jahr 1983 und ihrer Stickerei. Auch bei Elisabeth Plante bedanke ich mich, die mir über Facebook half den alt-niederländischen Text zu verstehen.

 

Preise:

Stickpackung: € 58,-
Stickanleitung: € 22,-

Kreuze: 381 x 361

Größe: 54 x 51 cm

Stiche:

Kreuzstich  
Linienstich

Giebelhäuser in Amsterdam I
Giebelhäuser in Amsterdam II
Giebelhäuser in Amsterdam III