Während Handarbeiten wie das Sticken heute reines Freizeitvergnügen sind, waren sie früher fester Bestandteil der Ausbildung höherer Töchter in Stadt und Land. Eine Ehefrau musste nähen, stopfen und sticken können. Geübt wurden die Handarbeitstechniken auf Pflicht- und Mustertüchern, die zum Teil bis heute erhalten sind. Die Kunsthistorikerin Andrea Madadi hat rund 100 Stickmustertücher aus den Vier- und Marschlanden unter die Lupe genommen und führt mit ihrem Buch nicht nur in die Welt des Stickens, sondern in die Kultur- und Alltagsgeschichte der Region ein.

Das Buch zeichnet die Entwicklung des Stickens in den Vier- und Marschlanden über drei Jahrhunderte nach: Woher kommt das Sticken? Wer hat gestickt und wofür wurden die Stickereien verwendet? Die Autorin zeigt den religiösen Ursprung und die Vorbilder der Motive auf: So dienten illustrierte Bibeln, Intarsienmuster in den Kirchbänken oder Bibelfliesen aus den Bauernstuben als Vorlagen. Ergänzt wurden sie durch regionales Kolorit wie Wappen, Früchte oder Tiere aus der Region. Die Tücher erzählen Gleichnisse, die von den Stickenden mitunter regional angepasst wurden. Bringen in der Bibelgeschichte die Kundschafter von Kanaan zum Beispiel eine Riesentraube aus dem gelobten Land mit, um zu zeigen, welcher Überfluss dort herrscht, wird die Traube in den Vierlanden zur Riesenerdbeere.

„Ausgezählt“ richtet sich also nicht nur an Freunde des Stickens, sondern ist spannend für jeden, der sich für die Kulturgeschichte der Vier- und Marschlande interessiert.

Die in Curslack lebende Kunsthistorikerin, Journalistin und Künstlerin Andrea Madadi setzt sich schon seit vielen Jahren mit dem Thema Sticken in den Vierlanden auseinander. 2015 begann sie mit den Recherchen und bietet am Zollenspieker Stickkurse für Grundschüler an. 2018/2019 hat sie im Freilichtmuseum eine Ausstellung zu dem Thema gezeigt.

Das 80 Seiten umfassende Buch zeigt Fotos von drei Mustertüchern, die ich vor einigen Jahren ausgezählt habe. Wenn Sie neugierig geworden sind, klicken Sie bitte unten auf die Fotos. Das Buch enthält zum selber Sticken Mustervorlagen und ist reich bebildert mit Fotos von Axel Netzband, der die Autorin während ihrer Recherche begleitet hat. Es ist unter anderem in vielen Bergedorfer Buchhandlungen, an bestimmten Verkaufsstellen in den Vierlanden und natürlich im Bergedorfer Schloss und Rieck Haus für 9,95 Euro erhältlich. (ISBN: 978-3-00-070827-5)

Kontakt: Bergedorfer Museumslandschaft - Antje Rhauderwiek - Bergedorfer Schlossstraße 4 - 21029 Hamburg - Tel.: 040 / 428 91 2973

E-Mail: antje.rhauderwiek@bergedorf.hamburg.de - Internet: www.bergedorfer-museumslandschaft.de

Willkommen!

 

Ich lade Sie herzlich ein mein weit gefächertes Angebot an Stickvorlagen für historische Mustertücher aus Europa kennen zu lernen:

Stickmustertücher aus den Vierlanden, Ackworth Tücher, Schultücher und Mustertücher aus der Biedermeierzeit.

Diese liebenswürdigen Mustertücher fand ich zum größten Teil in den oft schwer zugänglichen Depots und Schränken verschiedener verstreut liegender Museen – oder es sind reizende Schätze aus Privatbesitz und Bestandteile von Sammlungen. Manche zieren als ganz persönliches Werk eines unbekannten Mädchens Wohnräume.

Ich bin stolz darauf sie Ihnen hier vorstellen zu können – alle sind zum Nachsticken! All denen sei gedankt, die mir das ermöglichten.

Die ältesten Mustertücher sind weit mehr als 300 Jahre alt – das jüngste immerhin noch 100.

In vielen Ländern Europas wurden über vier Jahrhunderte Mustertücher gestickt, die man im deutschsprachigen Raum auch „Namentücher“ oder „Modeltücher“ nannte. Im Niederländischen heißen sie "merklappen" und in Italien "imparaticci". Sie dienten hauptsächlich zum Erlernen, Üben, Sammeln und Merken textiler Techniken und Muster. Diese Muster waren selten eigene Schöpfungen, sie gehen vielmehr auf einen sehr alten Formenschatz zurück. Da sie oft einen ausgesprochen „lehrhaften“ Charakter haben, fehlten auf kaum einem Mustertuch Buchstaben und Zahlen.

Mustertücher sind ganz persönliche Werke aus den Händen von Mädchen und Frauen, sie spiegeln nicht nur den individuellen Geschmack und das künstlerische und handwerkliche Können eines Mädchens oder einer Frau wider - sie "erzählen" in ihren Motiven, Mustern und Symbolen auch vom Zeitgeist und dem Typischen einer Region oder eines Landes.

Sie blieben über Generationen in den Familien erhalten, um schließlich gelegentlich in den Besitz eines Museums überzugehen oder Teil einer privaten Sammlung zu werden.