18. Jahrhundert

Deutschland

Von Sachsentüchern spricht man, wenn die Tücher lang und schmal sind, aus feinem Leinen bestehen, die Rückseite wie die Vorderseite durch den doppelseitigen Kreuzstich gleich aussehen und eine Unterteilung in Borten, Alphabete und Bilder aufweisen. Nur wenn Motive einer Gegend gehäuft vorkommen, kann eine genauere Bestimmung der Herkunft vorgenommen werden.

Stickmustertücher aus dem Norden Deutschlands haben meist das Format von breiten Rechtecken oder Quadraten mit einem oberen Abschluss aus mehreren Alphabet- und Zahlenreihen und einer umlaufenden Borte. Darin ähneln sie den niederländischen Tüchern. Viele norddeutsche Mustertücher zeigen, wie die niederländischen, die damals sehr beliebten Blumenvasenmotive, die wahrscheinlich direkt von den zu Tausenden importierten Kacheln übernommen worden sind.

Die enge Verbindung des Stickunterrichts (damals ein HAUPTfach) zur protestantischen Kirche (nach der Reformation wurden die "Jongfern-Scholen" in den Kirchenordnungen gefordert) erklärt die vielen religiösen Motive und Symbole auf norddeutschen Mustertüchern: Adam, Eva, Josuah and Kaleb, Jakobs Kampf mit dem Engel, Daniel in der Löwengrube, die Kreuzigung …
Aber auch eine Vielzahl von weltlichen Motiven aus der Erfahrungswelt der Schülerinnen - wie Schiffe, Möbelstücke, Dorfansichten, arbeitenden Mägde und Knechte - kann man hier entdecken.

Oft geben die bunten Farben den norddeutschen Tüchern ein fröhliches Aussehen.

Ausnahmen bilden unter den norddeutschen Tüchern die Mustertücher aus den Vierlanden, der Winser Elbmarsch und der Stralsunder Gegend.

Großbritannien

Ackworth ist ein Ort in der Grafschaft Yorkshire in England. Für Londoner Waisenkinder wurden dort 1758 eine Unterkunft und eine Schule gebaut. Bis 1773 fanden insgesamt fast 2700 Kinder hier ein Zuhause. Textilbetriebe der Umgebung beauftragten dieses Waisenhaus für sie zu weben und zu spinnen, sie nahmen Schüler zu sich in die Lehre. Auf diese Weise trugen die Schüler zum Schuletat bei. Als die staatliche Unterstützung ausblieb, wurde das Waisenhaus geschlossen.

1777 kauften die Quäker – sie nennen sich auch die „Gesellschaft der Freunde“ – die Gebäude und gründeten eine Schule. Denn vieles sprach dafür: die heilsame Wirkung der Landschaft Yorkshires, die Möglichkeiten für Landwirtschaft und die hilfreiche Nachbarschaft.

Die Ackworth School nahm Mädchen und Jungen aus ganz England auf. Da es lange Jahre keine Ferien gab, blieben viele Schüler während ihrer gesamten Schulzeit in Ackworth.

Die Auffassung, die Schule sei eine Familie und das Wohlergehen der Gemeinschaft als Ganzes sei das primäre Ziel und das Konzept der Einfachheit und Bescheidenheit prägten die jungen Menschen. Während ihrer Schulzeit arbeiteten die Jungen in der Landwirtschaft, in der Bäckerei und im Molkereibetrieb, die Mädchen waren u. a. für die Wäsche der Schule verantwortlich und nahmen aber auch Arbeiten als Lohnnäherinnen / Weißnäherinnen an. So leisteten alle ihren Beitrag zum Vermögen der Gemeinschaft.

Alle Mustertücher, die von Mädchen der Ackworth School in größerer Zahl hergestellt wurden, haben eines gemeinsam, sie sind unverwechselbar.

Niederlande